Machen, Machen, Machen – sieben erfolgreiche Ansätze für ein digitales Handwerk im Landkreis Pfaffenhofen

Veröffentlicht am: 1 Okt. 19 in der Kategorie Aktuelles Standort & Wirtschaft


Das vergangene Wochenende stand im Landkreis Pfaffenhofen ganz im Zeichen der Digitalisierung: rund 55 Teilnehmer entwickelten, programmierten und präsentierten digitale Lösungen beim 1. Hackathon für das Handwerk. Organisiert wurde die Veranstaltung durch das Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm (KUS) in Zusammenarbeit mit dem digitalen Gründerzentrum der Region brigk, dem fortiss-Forschungsinstitut des Freistaates Bayern und dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk aus Koblenz.

 

Mit geschätzt einer Million Betriebe und mehr als fünf Millionen Beschäftigten in Deutschland ist das Handwerk eine tragende Säule des Mittelstands. Der digitale Wandel macht auch vor diesem Gewerk nicht halt. Die Mobilität, die smarte Geräte bereits ermöglichen, erfordert ein Umdenken. Gegenstände vernetzen sich und agieren untereinander. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen des Kunden an Service, Kommunikation und Qualität. „Wer künftig unternehmerisch erfolgreich sein will, sollte umdenken und die Chancen der Digitalisierung für sich selbst aktiv gestalten“, weiß Landrat Martin Wolf.

 

„Machen, machen, machen“ lautete die Devise der Veranstaltung. Im Vordergrund: spielerisch neue Ideen umsetzen. „Erlaubt euch Dinge in Frage zu stellen“, forderte Christoph Krause vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk die Teilnehmer zum Querdenken und Regeln brechen auf. Was kann man besser machen? Was braucht man dazu? Und wie kann der Kunde digital zum Handwerk gelangen? Das waren nur einige der Fragestellungen, mit denen sich die Teilnehmer im Rahmen der Ideenfindung beschäftigten.

 

Im Anschluss an die Identifikation der Probleme, setzten sich die Teams zur Verfeinerung der Ansätze zusammen. Die Thematik fesselte einige so sehr, dass der Schlaf in den Hintergrund rückte. Das perfekte Pitchen wurde per Live-Webinar mit Jan Küster vom Founders Fight Club geübt. Entstanden sind innerhalb der 24 Stunden sieben erfolgreiche Ansätze.

 

Tüber – der smarte Verleih von Werkzeugen
Die App von Vinay Balaji Rajputh und Radhakrishna Kothamasu unterstützt Handwerker in ihrem täglichen Arbeitsalltag. Wer kennt die Situation nicht: der Handwerker ist vor Ort und möchte seine Arbeit beginnen. Beim Blick in den Werkzeugkoffer stellt er fest, dass er das entsprechende Werkzeug vergessen hat. Hier kommt Tüber ins Spiel: der Handwerker kann das benötigte Werkzeug im gewünschten Umkreis suchen, den Anbieter kontaktieren und das Tool direkt buchen.

 

Der intelligente Bürostuhl
Studien belegen, dass rund 35 Millionen Ausfalltage jährlich auf Rückenprobleme zurückzuführen sind. Hier setzt die Lösung rund um das Team von Tabea Kretzschmar an. Ihr smarter Bürostuhl misst Sitzabstand, Sitzhöhe, die Neigung der Lehne und gibt ein responsives Feedback zur entsprechenden Sitzposition sowie entsprechende Lösungsvorschläge.

 

Azubi Space – die smarte Azubi App für die Bayernwerke

Auch ein Team um Tobias Marschner, Ausbildungsleiter bei der Bayernwerk Netz GmbH und Azubi Hannes Portune nahmen aktiv am Geschehen teil. Das Ziel: den unübersichtlichen Ausbildungsplan durch eine einfache App zu ersetzen. Diese erleichtert den Auszubildenden und den Ausbildern den täglichen Prozess rund um die Einteilung, Arbeitssicherheit und Unterrichtsmaterialien. Potenzielle Features wie ein Ausbilderportal oder eine Authentifizierung sind angedacht.

 

Werkzeug-Live-Tracking
Das Heiligtum des Handwerkers ist sein Werkzeug. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass Werkzeug auf der Baustelle vergessen wird, weiß Landschaftsgärtner Sebastian Fahn aus Hohenwart. Die Lösung: das Live-Tracking der Werkzeuge. Der Handwerker erfasst mittels eines Gerätes einmalig das im Fahrzeug vorhandene Werkzeug. Nach erfolgter Arbeit meldet das Tool, ob alle Werkzeuge wieder in das Fahrzeug verladen wurden oder ob man sich nochmal auf die Suche machen muss. Großer Vorteil: das Gerät kann an die Stromversorgung des Fahrzeuges angeschlossen werden und die dazugehörigen Tags benötigen keine Batterien.

 

Die Klimaanlage 4.0
Die Befeuchterlunge ist ein Problem, das jeder kennt. Man war in einem klimatisierten Raum und fühlt sich nach ein paar Stunden schlapp und krank. Die Ursache: Keime, Fremdstoffe und Staub in der Klimaanlage. Eine regelmäßige Wartung der Klimaanlagen kann dies verhindern. Doch in welchem Zeitraum muss eine Klimaanlage gereinigt werden? Hier kommt die nachrüstbare und kostengünstige AirC4.0 ins Spiel. Sensoren messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit und ermitteln den optimalen Zeitpunkt zur Reinigung.

 

Too Good to burn – Plattform für Gebrauchtmöbel
Tom beginnt sein Studium und zieht nach Pfaffenhofen. Für sein kleines Zimmer ist er auf der Suche nach einem passenden Spiegelschrank. Zeitgleich möchte Lisa aus Pfaffenhofen wegziehen und inseriert ihren Spiegelschrank in einem Kleinanzeigen-Portal. Tom sucht und sucht und findet nichts – Lisa hat so viele Plattformen zur Auswahl und stellt ihren Text als Freitext ein. Hier kommt die Plattform-Plattform „2G2B“ ins Spiel. Die kundenorientierte und mit Filterfunktionen ausgestattete Plattform bringt Angebot und Nachfrage durch die Zentralisierung und Aufbereitung der Angebote zusammen.

 

BG Helferlein – der Chatbot für die Berufsgenossenschaften-Bürokratie
Die Bürokratieauflagen für Unternehmer nehmen von Tag zu Tag zu. Aktuelle Umfragen belegen, dass rund die Hälfte der Unternehmer sich in Bezug auf die Auflagen überfordert fühlt. Gleichzeitig ist jedoch auch mehr als die Hälfte bereit, beim Bürokratieabbau mitzuhelfen. Hier kann laut Schreiner Steffen Bauereiß aus Bad Windsheim der digitale Wandel Abhilfe schaffen. Der „BG Helferlein-Chatbot“ kann Arbeit abnehmen, mit denen sich weder Unternehmer noch Mitarbeiter beschäftigen möchten. Nach der Festlegung der entsprechenden Berufsgenossenschaft wird der Unternehmer zu vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen abgefragt. Schutzmaßnahmen können mit Frist hinterlegt, mit Foto gespeichert, revisionssicher übertragen und an die entsprechende Berufsgenossenschaft gesendet werden.

 

Die entstandenen Angebote zeigen, wie die Digitalisierung im Handwerk aussehen könnte. Eines ist laut Hackathonexperte Krause sicher: „Jedes Gerät im Handwerk wird intelligent werden, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“.

 

Weitere Fotos, sowie ein Video mit den Präsentationen der einzelnen Ideen sind unter www.hackathon-paf.de abrufbar.