Die wichtigsten Schritte auf dem Weg zu Ihrem Unternehmen

1. Stellen Sie fest, ob Sie ein Unternehmertyp sind

Eigenverantwortlich seine Ideen umsetzen zu können ist ein toller Aspekt der beruflichen Selbständigkeit. Dennoch, der Schritt zum eigenen Unternehmen verändert nicht nur Ihren Alltag, sondern auch den Ihrer Familie. Es ist daher wichtig, dass die Personen aus Ihrem Umfeld auch hinter Ihnen stehen. Folgende Anforderungen sollten Sie prüfen:

• persönliche Qualifikation:

Übernehmen Sie gerne Verantwortung und arbeiten selbständig?
Zeichnen Sie unter anderem folgende persönliche Eigenschaften besonders aus?
Ehrgeiz – Einsatzbereitschaft – Risikobereitschaft – Belastbarkeit – Verantwortungsbewusstsein

• fachliche Qualifikation:

Sie sollten „Ihr Handwerk verstehen“ und möglichst auf Berufserfahrung zurückblicken können, um neben Ihrer Arbeit auch Ihre Branche insgesamt und Ihren Markt möglichst gut zu kennen. Beachten Sie auch, ob Zulassungsvoraussetzungen gegeben sind (z.B. Meisterbrief).

Sehr wichtig ist es, dass Sie auch kaufmännische Kenntnisse mitbringen bzw. wenn Sie hier Defizite sehen, sich entsprechend weiterbilden. Die Ansprechpartner im KUS vermitteln Ihnen gerne Fortbildungsangebote. Denn gerade Probleme, die direkt oder indirekt mit der Gründerperson in Verbindung stehen und oft im kaufmännischen Bereich liegen, gefährden nach einer Untersuchung der KfW ein Unternehmen besonders häufig:

Finanzierungsmängel

Viele Gründer haben bei der Gründungsfinanzierung oft ihren kurzfristigen Kapitalbedarf (um laufende Rechnungen zu bezahlen) falsch eingeschätzt und daraufhin ihre Liquidität falsch geplant. Probleme gibt es in dieser Situation vor allem dann, wenn Kunden schleppend oder vielleicht überhaupt nicht zahlen. Gefährlich auch: ein zu hoher Preis bei einer Unternehmensnachfolge.

Informationsdefizite

Gründerinnen und Gründer wissen oft zu wenig vom Marktgeschehen. Sie überschätzen z. B. die Nachfrage für ihr Produkt oder ihre Dienstleistung und unterschätzen die Konkurrenz.

Qualifikationsmängel

An der fachlichen Qualifikation mangelt es bei Gründerinnen und Gründern so gut wie nie. Dafür umso mehr an kaufmännischen und unternehmerischen Kenntnissen. Gerade die Branchenerfahrung ist aber der Schlüssel zum Erfolg.

Planungsmängel

Hier gibt es zwei Mangel-Varianten: Entweder ist die Planung des Unternehmensaufbaus fehlerhaft oder die Planung ist gut, wird aber nicht eingehalten.

Familienprobleme

Familiäre Probleme sind umso einflussreicher, je kleiner ein Unternehmen ist. Gravierend ist hier vor allem, wenn der Ehepartner die familiären Belastungen gerade in der Anfangsphase nicht oder nicht länger hinnehmen will.

Überschätzung der Betriebsleistung

Viele Gründerinnen und Gründer schätzen die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens völlig falsch ein. Hier ist der Umsatz des Betriebes zu gering im Verhältnis zu den hohen Investitions- oder Fixkosten.

Aber keine Sorge, die Kenntnis dieser Risiken hilft, sie zu vermeiden.

2. Arbeiten Sie Ihre Geschäftsidee gut aus

Mit welcher Geschäftsidee möchten Sie an den Markt gehen? Um diese Frage wirklich beantworten zu können, müssen Sie wissen wer Ihre zukünftigen Kunden sein könnten. Wenn Sie die Bedürfnisse und Neigungen Ihrer potentiellen Kunden kennen, so können Sie auf deren Kaufverhalten schließen. Ebenso müssen Sie aber wissen, wer Ihre Wettbewerber sind. Denn wenn es ähnliche Angebote bereits gibt, dann kommt es ganz besonders auf Ihre Alleinstellungsmerkmale (neudeutsch „USP“, engl. unique selling proposition oder unique selling point) an. Also was unterscheidet Ihre Idee und Ihr Angebot von dem Ihrer Wettbewerber?

 

Fehlt Ihnen die zündende Geschäftsidee noch?
Dann bieten sich insbesondere die folgenden zwei Möglichkeiten für Sie an:

• Franchise-Unternehmen
Dabei liefert der Franchise-Geber gegen Gebühr Name, Marke, Marketing und Know-how. Der Franchise-Nehmer – das wären in dem Fall Sie – verkauft die Waren und Dienstleistungen rechtlich selbständig. Dass die berufliche Selbständigkeit dabei relativ eng festgelegt ist, mag als Nachteil gelten. Dafür ist das Risiko, mit dem Unternehmenskonzept zu scheitern, eher gering.

• Unternehmensnachfolge / Unternehmenskauf
Dabei führen Sie ein bestehendes, etabliertes Unternehmen weiter und profitieren davon, dass bereits ein Kundenstamm vorhanden ist. Dennoch ist der Antritt einer Unternehmensnachfolge kein Selbstläufer. Dieser Prozess muss gut vorbereitet und langfristig geplant sein, damit die Staffelübergabe klappt. Lassen Sie sich daher beraten, die Ansprechpartner im KUS stehen Ihnen gerne zur Seite. Auf der Plattform nexxt-change.org können Sie sich vorab bereits informieren. Ziel dieser Unternehmensnachfolgebörse ist es, nachfolgeinteressierte Unternehmer und Existenzgründer zusammen zu bringen.

 

Grundsätzlich gilt: Die Ansprechpartner im KUS sprechen gerne im vertraulichen Einzelgespräch mit Ihnen über Ihre Geschäftsidee. Nutzen Sie dieses Angebot für eine neutrale Meinung im Vorfeld.

3. Lassen Sie sich beraten

Das KUS Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm begleitet Sie in Kooperation mit den Kammern, den Aktivsenioren und dem Wirtschaftsbeirat individuell bei Ihrem Schritt in die berufliche Selbstständigkeit.

Dabei handelt es sich um kostenlose Einzelgespräche, welche wir regelmäßig in unserer Geschäftsstelle in Pfaffenhofen sowie in der Außenstelle Nord des Landratsamtes in Vohburg anbieten. Ihre Idee und Ihre persönliche Situation stehen selbstverständlich immer im Mittelpunkt. Gerne Informieren wir Sie außerdem über das Angebot verschiedener Gründungsseminare und Fortbildungsmöglichkeiten.

Weitergehende Gründercoachings können oftmals gefördert werden, auch hierzu informieren wir Sie gerne.

Hier können Sie einen kostenlosen Beratungstermin vereinbaren. Wir freuen uns auf Sie.

Steuerberatung
Auch das Hinzuziehen eines Steuerberaters ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll. Bevor Sie sich beispielsweise für eine bestimmte Rechtsform entscheiden, sollte mit dem Steuerberater besprochen werden, welche steuerlichen Auswirkungen Ihre Auswahl haben könnte.

Folgende Steuerarten sollten Sie kennen:
Umsatz- bzw. Vorsteuer
Einkommensteuer
Gewerbesteuer
Körperschaftsteuer
Lohnsteuer

Sprechen Sie außerdem folgende Punkte bei Ihrem Steuerberater an:
Pflichten gegenüber dem Finanzamt
Kleinunternehmerregelung
Abschreibung
Kosten für Kfz-Nutzung
Jahresabschluss

4. Erstellen Sie Ihren Businessplan

Gruendung-Schritt-4-Businessplan

Ein klar strukturierter und verständlicher Businessplan ist Grundvoraussetzung für ein konstruktives Gespräch mit Ihren Geldgebern. Insbesondere die Alleinstellungsmerkmale Ihres Gründungsvorhabens und der Nutzen Ihrer Produkte und Dienstleistungen für die Kunden sollten hervorgehoben werden. Gehen Sie auch auf Ihre Wettbewerber ein und zeigen Sie auf, wie Sie sich von diesen abheben. Begründen Sie die Auswahl Ihres Standortes im Landkreis Pfaffenhofen und erklären Sie, wie Sie die Kunden mit Ihrem Angebot erreichen.

Ganz wichtig: Schreiben Sie Ihren Businessplan selbst.
Er soll nicht „selbstverliebt“ erscheinen, aber dennoch: Sie kennen Ihre Idee am besten und können Sie daher am authentischsten vertreten.

Hier finden Sie ausführliche Hinweise zum Businessplan als Download:
gz_07-businessplan

5. Kalkulieren Sie Ihr notwendiges Gründungskapital

Kalkulieren Sie, wie viel finanzielle Mittel Sie für die Gründung und die Startphase benötigen. Der Kapitalbedarf hängt natürlich stark von Ihrem individuellen Vorhaben ab. Es müssen beispielsweise Material, ein Warenlager, die Büroausstattung, Umbaumaßnahmen, einmalige Kosten wie Mietkaution aber auch viele laufende Kosten finanziert werden. Berücksichtigen Sie, dass möglicherweise eine mehrmonatige Anlaufphase finanziell überbrückt werden muss – und zwar inklusive Ihrer laufenden Lebenshaltungskosten.

 

Kalkulieren Sie also im Detail:
• Kapitalbedarf vor der Gründung
• Kapitalbedarf während der betrieblichen Anlaufphase
• Kapitalbedarf zur Sicherung der laufenden Lebenshaltungskosten

Beurteilen Sie realistisch, ob die Einnahmen aus Ihrem Unternehmen alle betrieblichen und privaten Kosten decken werden.

6. Sondieren Sie alle in Frage kommenden Finanzierungsquellen

Eigenkapital, d.h. Kapital welches Sie als Gründer einbringen, schafft Unabhängigkeit und verringert die Gefahr von Liquiditätsproblemen. In aller Regel ist bei Gründungen jedoch auch Fremdkapital erforderlich.

Beim Gespräch mit Ihrer Bank gilt es, die richtige Mischung aus Eigen- und Fremdkapital zu finden, welche zu Ihrem künftigen Unternehmen passt. Für das Bankgespräch sollten Sie gut vorbereitet sein und alle notwendigen Unterlagen (dazu gehört insbesondere der Businessplan) parat haben. Je mehr Informationen Sie über die geplante Investition geben können, desto besser stehen Ihre Chancen. Treten Sie sicher auf und zeigen Sie, dass Sie zu hundert Prozent hinter der geplanten Unternehmensgründung stehen. Vermitteln Sie Ihrem Berater das sichere Gefühl, dass Sie ihn über alles gut informieren werden und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit anstreben.

 

Prüfen Sie alle in Frage kommenden Finanzierungsmöglichkeiten. Dies können zum Beispiel sein:

• Crowdfinanzierung
Hierbei stellen Gründer oder auch etablierte Unternehmen ihr Vorhaben auf einer speziellen Internetseite vor. Nutzer (Crowd, engl. Menschenmenge) die Interesse an dem Vorhaben finden, stellen für dessen Realisierung Geldbeträge zur Verfügung. Die Investitionssumme für den einzelnen Investor ist oft vergleichsweise gering (z.B. zwischen 50 und 1.000 Euro). Das bedeutet eine relativ gute Chance, eine größere Zahl von Investoren zu finden. Eine der größten Crowdfunding-Plattformen für kreative Projekte in Deutschland ist Startnext.

• Mitarbeiterbeteiligung
Es existieren verschiedene Modelle vom Mitarbeiterdarlehen bis hin zur Beteiligung als stiller Gesellschafter.

• Bürgschaftsbanken

• Förderprogramme
Hier finden Sie eine Übersicht bedeutsamer Förderprogramme für Existenzgründer. Die Ansprechpartner im KUS beraten Sie gerne persönlich.

7. Erledigen Sie die notwendigen Formalitäten

Je nach Vorhaben und Rechtsform Ihres künftigen Unternehmens gestalten sich die Formalitäten unterschiedlich. Wir beraten Sie gerne und fungieren als Behördenlotse.

 

Hier einige wichtige Anlaufstellen im Zuge der Gründung:

Gewerbeamt
Unabhängig von der Rechtsform ist die Aufnahme, Änderung und die Beendigung jeder stehenden gewerblichen Tätigkeit dem für die Betriebsstätte zuständigen Gewerbeamt anzuzeigen. Sie erledigen dies in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung an Ihrem Betriebssitz.

IHK / HWK
Alle Gewerbetreibenden sind kraft Gesetzes Mitglieder der örtlich zuständigen Industrie- und Handelskammer, wenn die Tätigkeit nicht in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Kammer (z.B. Handwerkskammer) fällt.

Genehmigungspflichtige Gewerbe
Insbesondere handwerkliche Betriebe sind in der Regel erlaubnispflichtig. D.h. der Betrieb muss in die Handwerksrolle der regional zuständigen Handwerkskammer eingetragen werden. Hierfür ist wiederum Voraussetzung, dass der Betrieb von einem Handwerksmeister geführt wird.

Finanzamt
Die Gewerbeanmeldung gilt auch als steuerliche Anzeige. Die Finanzämter werden von den Gewerbeämtern informiert. Unabhängig davon sollte dem zuständigen Finanzamt zusätzlich die Betriebsaufnahme mitgeteilt werden. Sie erhalten dann einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.

Berufsgenossenschaft
Die Berufsgenossenschaften sind Träger der sozialen Unfallversicherung. Jedes Unternehmen das Mitarbeiter beschäftigt ist kraft Gesetzes Mitglied der für seinen Gewerbezweig errichteten Berufsgenossenschaft. Eine Anzeige bei der zuständigen Berufsgenossenschaft hat zu erfolgen, wobei  auch das Gewerbeamt eine Durchschrift der Gewerbeanmeldung an die Berufsgenossenschaften übermittelt. Unternehmen, die keine Mitarbeiter beschäftigen, sind nicht in jedem Fall versicherungspflichtig bei der Berufsgenossenschaft.

8. Erfüllen Sie Ihre steuerlichen Pflichten

Das Thema Steuerberatung wurde bereits unter „3. Lassen Sie sich beraten“ ausgeführt.

Jetzt geht es darum, die Buchführung, den Jahresabschluss usw. auch korrekt auszuführen und den Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt (z.B. Umsatzsteuervoranmeldung) nachzukommen. Auch hier erhalten Sie Unterstützung bei Ihrem Steuerberater. Das Finanzamt hilft Ihnen bei Fragen zu Ihrer Steuererklärung auch weiter, es kann lediglich keine weiterführende Beratung liefern.

9. Treffen Sie persönliche und betriebliche Vorsorge

Welche Krankenversicherung und welche Altersvorsorge Sie in der beruflichen Selbständigkeit auswählen ist für Ihre persönliche Absicherung sehr wichtig. Denken Sie auch daran, die monatlichen Beiträge in Ihrer Finanz- und Liquiditätsplanung zu berücksichtigen.

 

Altersvorsorge

Die Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung, die man sich in der Zeit als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer erworben hat, bleiben erhalten. Für einige selbständig Tätige besteht außerdem weiterhin Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung deckt für den Selbständigen aber sehr oft nur eine Grundversorgung ab. Es sollten daher weitere Rücklagen gebildet werden, beispielsweise durch Sparverträge, Immobilienbesitz, kapitalbildende Lebensversicherungen oder eine private Rentenversicherung.

Arbeitslosenversicherung
Über die Voraussetzungen, um sich als Unternehmer freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichern zu können, Informiert Sie die Arbeitsagentur.

Berufsunfähigkeitsversicherung
Informieren Sie sich über eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn Sie im schlimmsten Fall Ihrem bisher ausgeübten Beruf nicht mehr nachgehen können.

Betriebliche Versicherungen
Prüfen Sie die Hauptrisiken in Ihrem Betrieb im Hinblick auf betriebliche Versicherungen. Wichtige betriebliche Versicherungen können sein:
Betriebs-Haftpflichtversicherung (bei Schadenersatzansprüchen Dritter)
Berufs-Haftpflichtversicherung (für Dienstleistungsunternehmen und Freiberufler)
Betriebs-Unterbrechungsversicherung (BU-Versicherung)
Vermögensschadenversicherung für Unternehmensleiter
Einbruchdiebstahlversicherung:
Elektronikversicherung
Feuerversicherung
Kfz-Haftpflichtversicherung
Leitungswasserversicherung
Maschinenversicherung
Produkt-Haftpflichtversicherung
Sturmversicherung
Umwelthaftpflichtversicherung
Versicherungen für Mitarbeiter
Vertrauensschadenversicherung

Hier finden Sie ausführliche Hinweise zum Thema Vorsorge/Versicherungen als Download:

gz_05-versicherungen

10. Lassen Sie sich weiterhin beraten

Herzlich Willkommen, Sie zählen nun zu den Bestandsunternehmen im Landkreis Pfaffenhofen und können unseren kompletten Unternehmensservice nutzen. Machen Sie bitte gerne Gebrauch davon und nehmen Sie auch weitere Beratungsangebote wahr. Als Unternehmer erwarten Sie eine Vielzahl an neuen Aufgaben (z.B. Einführung eines funktionsfähigen Controllings). Ziehen Sie im Zweifelsfall auch einen Unternehmensberater hinzu. Sollten sich Probleme für Ihr Unternehmen ankündigen, reagieren Sie bitte rechtzeitig und holen sich geeigneten Rat. Die Ansprechpartner im KUS stehen Ihnen gerne neutral und diskret zur Verfügung und vermitteln Ihnen auch Kontakte und weitere Anlaufstellen.

 

Das Team des KUS Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm wünscht Ihnen alles Gute für Ihr Gründungsvorhaben!